Hommage an Friedrich (Fritz) Butt



In der Vielseitigkeitsszene gibt es wohl weltweit keinen bekannteren Züchternamen als den von Fritz Butt und auch Pferdesportler und Züchter der anderen Reitsportdisziplinen zollen mittlerweile der züchterischen Leistung eines Mannes großen Respekt, der, streckenweise und besonders zu Beginn, nicht viel Beifall für seine Idee erntete.

Spätestens aber seit den olympischen Spielen in Hongkong, als gleich zwei der erfolgreichen Gold-Mannschaftspferde den Namenszusatz "Butt" trugen, werden die vier einprägsamen Buchstaben fast schon wie ein Markenzeichen gehandelt.

Nach Euroridings Butts Leon und Butts Abraxxas, die wesentlich zu dem eben erwähnten Sieg in der olympischen Mannschaftswertung beitrugen, gelingt es bereits der nächsten Generation "Butt-Pferde" internationale Erfolge zu sammeln, allen voran Butts Avedon, der in 2010 Vize-Weltmeister der 7-jährigen Vielseitigkeitspferde wurde. Sportliche Erfolge, an denen sich ein Sportpferdezüchter am Ende immer messen lassen muss, gab es aber schon früher: 1997 beispielsweise wurde Andora unter Andreas Dibowski 11. bei den Europameisterschaften in Burghley/GBR.

"Wer immer das Gewohnte tut, wird keinen außergewöhnlichen Erfolg erzielen können!" So oder ähnlich lässt sich die züchterische Arbeit von Fritz Butt überschreiben, denn er war um einiges davon entfernt, das Gewohnte zu tun - jedenfalls davon, was der große Teil der erfolgreichen Züchter-Kollegen praktiziert. Warum auch von erfolgreichen Konzepten, besonders in der Hannoveraner-Zucht, abweichen, wo der Erfolg doch für sich spricht?

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... und seine Pferdezucht


Fritz Butt hatte seine eigene Idee und die Vielseitigkeitsreiterei dabei fest im Visier. "Blut zu Blut" war sein Leitspruch und diesen setzte er konsequent um, obwohl es zu Beginn eigentlich "Vollblut zu Hannoveraner-Halbblut" heißen musste: hoch im Blut stehende Stuten, die er selbst im Sport erprobt hatte, wurden mit Vollblütern angepaart, die genug Qualität vererben sollten. Kronenkranich xx (Vater von Andora), Gernegroß xx (Vater von Amadeus), Star Regent xx und natürlich Heraldik xx können hier genannt werden. Als züchterisches Produkt sollte diese Formel Pferde ergeben, die mit ungebrochener Leistungsbereitschaft und Springvermögen ausgestattet sind. Es sollten Pferde gezüchtet werden, die mit englischen und irischen Militarypferden auch im Gelände mithalten können.

Es ist ihm gelungen, das wusste Fritz Butt ganz sicher, mit Blick auf Euroridings Butts Leon, obwohl er leider dessen größte Erfolge nicht mehr erlebt hat. Als züchterisches Endprodukt bezeichnete er den Wallach, der aktuell zu den weltweit besten Vielseitigkeitspferden gehört.

Man könnte einiges nennen, wenn es darum geht, die herausragende Leistung von Fritz Butt zu beschreiben. Neben der Hartnäckigkeit in der Umsetzung seiner Philosophie ist aber besonders außergewöhnlich die Auswahl der Zuchtstuten. Hier hat sich Fritz Butt ausschließlich auf das eigene Gefühl verlassen, er wollte die Leistungsbereitschaft spüren. Dabei saß er entweder bei Halbblutrennen oder Vielseitigkeits- bzw. Geländepferdeprüfungen im Sattel seiner Pferde und konnte auf über 50 Jahre aktive Laufbahn zurückblicken.

Noch heute ist das nahezu ausschließliche Züchten von Sportpferden für den Vielseitigkeitssport mit einem gewissen wirtschaftlichen Risiko behaftet, denn generell ist die Sparte Vielseitigkeit auch international nur für sehr wenige Beteiligte finanziell lukrativ. Dafür hat dieser Sport aber etwas zu geben, das Pferdeliebhaber begeistern kann, Menschen wie Friedrich Butt. Er hat viel gegeben, dafür von der Vielseitigkeit ein verdientes Denkmal bekommen und der letzte Stein ist dabei noch lange nicht gesetzt.

Text: Gabriel Kolb (German-Eventing)
Bild: Privat - mit freundlicher Genehmigung von Anne-Kathrin Butt